Inforadio Jena

Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht mit uns!

Archive for Juni, 2010

The party is over! Nazifeste verhindern

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Seit nunmehr acht Jahren ereignet sich im braunen Dreiländereck von Thüringen, Sachsen und Sachsen- Anhalt, inmitten der vermeintlich bunten und weltoffenen Otto-Dix Stadt Gera, Europas größtes Nazifestival „Rock für Deutschland“, zeitweilig auch unter dem Label „Rock gegen Krieg“ firmierend. Zog dieses faschistische Spektakel 2003 noch nur knapp über 100 Besucher_innen an, etablierte es sich über die Jahre stetig zum Pilgerort mittlerweile auch europaweit anreisender Neonazis. Den bisherigen beängstigenden Höhepunkt fand das spektrenübergreifende Ereignis im letzten Jahr mit einer Besucher_innenzahl von mindestens  4.000. Zwischen Rostbratwurst und Lunikoff-Hetze hat das „Rock für Deutschland“ dem dank entschlossener Proteste marginalisierten „Fest der Völker“ in Jena den  unrühmlichen Rang abgelaufen, de facto Europas größtes Nazifest zu sein. Es hat sich damit zu einer der größten Naziveranstaltungen nach 1945 entwickelt.

Wie geht das? Und vor allem: Geht das wieder?

Als Schnittstelle zwischen Politik und Subkultur funktionierend, basiert „Rock für Deutschland“ in seiner Gesamtheit auf dem menschenverachtenden und kruden Konsens seiner Besucher_innen. Generell gilt, dass Nazifeste interne faschistische Strukturen festigen, diese Szene in ihrem Handeln bestätigt und Mitläufer_innen politisiert. Je unwidersprochener dies statt finden kann, desto stärker drängt der Neofaschismus in die Alltagskultur und schafft alljährlich eine „National befreite Zone“. In Relation dazu werden die Freiräume und Handlungsmöglichkeiten für alternative, linke und migrierende Menschen sukzessive kleiner.

Hauptorganisatoren des Nazifests sind die NPD um deren Stadtratsmitglied Gordon Richter und die örtliche Rechtsrockszene des National Socialist Black Metal (NSBM). Unterstützt werden diese von „freien Kameradschaften“ und „Autonomen Nationalisten“. Bestärkt von steigenden Besucher_innenzahlen, sowie lange Zeit kaum vorhandenem Widerstand der örtlichen Politik und Bevölkerung, ist das „Rock für Deutschland“ und damit die Stadt Gera zur sicheren Adresse der Neonazis geworden. Dies liegt auch daran, dass sich Rassismus und Nationalismus bis tief in die gesellschaftliche Mitte erstrecken und antifaschistischer Widerstand oftmals mit der Neonaziideologie gleichsetzt wird. „Hauptsache Ruhe und Ordnung“, dies war der weitverbreitete Tenor der lokalen Presse und Politik, der selbst zivilen Ungehorsam kriminalisierte und im Gegenzug „Hitlergrüße“ auf dem Nazifest schlichtweg ignorierte. Abgesehen davon waren antifaschistische Proteste fernab von Parteien und Vereinen wenig erfolgreich.

Im „Superwahljahr 2009“ luden die Neonazis bekannte Szenegrößen ein. Auf der „Spielwiese“ in Gera waren neben dem NPD-Parteivorsitzenden Udo Voigt auch die „Landser“- Nachfolgeband „die Lunikoff Verschwörung“ vertreten. Dieses Jahr sind die Neonazis wieder gewillt, an ihre Erfolge anzuknüpfen. Und schließlich wäre eine weitere Steigerung durch die Auftritte international bekannter Rechtsrockbands möglich. Im Rückblick auf das bisher erfolgreiche Protestjahr gegen Neonazi-Großaufmärsche ist zu befürchten, dass die NPD und ihre Sympathisant_innen besonderes Augenmerk auf das „Rock für Deutschland“ legen. Schließlich wurden deren „Trauermarsch“ in Dresden und deren Aktionen am 1. Mai blockiert. Mit einer neuen Auflage des im letzten Jahr bedeutendsten und endgültig etablierten Nazifests könnten sie ‚wenigstens’ im subkulturellen Bereich eine Konstante erhalten. Es ist nun an uns den Widerstand effektiv zu gestalten!

Gemeinsam konsequent entgegentreten!

Die spektrenübergreifenden Blockaden gegen Naziaufmärsche in Köln, Jena und Dresden haben gezeigt, dass antifaschistischer Widerstand in verschiedenen Formen gemeinsam erfolgreich sein kann! Solch eine pragmatische Politik soll nicht die Unterschiede in Gesellschaftskritik und politischen Positionen auflösen. Sie legt den Fokus schlicht auf die massive Bedrohung durch mehrere tausend Neonazis. Nehmen wir ihnen also die Großaufmärsche und Inszenierungsmöglichkeiten – Nie wieder unwidersprochene Nazifeste in Gera! Schaffen wir eine ergebnisorientierte Zusammenarbeit zwischen progressiven Initiativen und Antifaschistischer Aktion. Handeln wir gemeinsam und solidarisch, damit eines der letzten großen Events der Naziszene und ihrer menschenverachtenden Ideologien endlich Geschichte wird.

Kommt am 10. Juli 2010 zahlreich zu den Protestaktionen nach Gera!

“Rock für Deutschland“ abschalten!

weitere Infos…

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Juni 22nd, 2010 at 2:00 am

Nächste Sendung

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So da habt ihr es. Jetzt wo überall wieder rote Fahnen mit einem schwarzen Balcken oben und einem gelben Balcken unten wehen, haben wir uns überlegt, wiedermal eine Sendung zu machen. Diese könnt ihr am kommenden Dienstag, den 22.6 um 20h hören. Wir beschäftigen uns diesmal, wen wunderst, mit Tschland. Themen sind die Abschiebepraxis, der Rücktritt Köhlers und die Rüstungsindustrie. Wir wünschen euch viel Spaß.

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Juni 17th, 2010 at 5:36 pm

Bildungsstreik

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Aufgrund des heutigen Bildungsstreiks, der in Jena mit einer niedrigen Demonstarionsbeteiligung begann, wollen wir hier einige kritische Texte verschiedener Bündnise veröffentlichen. Zeitmangel hindert uns gerade daran, selbst eine Kritik zu schreiben, deswegen greifen wir vorerst auf ältere  Texte der redical m (Göttingen), von sous la plage (Hamburg) und  antiallemande berlin (Berlin)  zurück:
Deutschlands wichtigste Ressource (redical m)
Gelbes Spektakel: Kick für den Augenblick? (sous la plage)
Studenten und andere Idioten. (aa:b)

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Juni 9th, 2010 at 2:09 pm

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Jetzt kommen die Miesmacher 10.6

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Das Referat gegen Rechtsextremismus des Sturas der Uni Jena lädt wieder einmal zu einem Vortrag ein. Diesmal geht es um folgendes:

„Während der WM präsentierte sich Deutschland mit einem „fröhlichen Patriotismus“, seitdem war es wieder „normal“, Stolz auf Deutschland zu sein. Die WM 2006 zeigte sich als eine große nationale Massenzeremonie, als euphorische Feier der selbst gegebenen „Normalität“. Der deutsche Nationalismus artikulierte sich fortan offen und „unverkrampft“. Die Referent_innen interpretieren diese Ereignisse als Resultat einer langen Entwicklung, die in der nationalen Euphorie ihren Höhepunkt erreichte. Im Vortrag werden zum einen jene Entwicklungen nachgezeichnet und zum anderen die Breite des nationalen Konsenses in seiner Artikulation gegen Kritiker_innen des Nationalismus aufgezeigt.
Die Referent_innen Daniel Keil und Katharina Rhein sind Autor_innen und Mitherausgeber_innen des Buches „Irrsinn der Normalität. Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus“.“


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Juni 2nd, 2010 at 12:54 pm

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