Inforadio Jena

Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht mit uns!

Archive for September, 2010

Nächste Sendung!

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Das Sommerloch scheint nach einem nicht wirklich vorhandenen Sommer überwunden zu sein. Denn am Dienstag, den 28. September wird es unsere erste Sendung nach der Pause geben. Ab 17 Uhr berichten wir über einen aktuellen Anlass in Jena sowie über eine Diskussion zum Thema „Euro“. Um die Zeit bis zur Sendung ein wenig zu verkürzen, haben wir hier noch ein wenig interessante Musik für euch bereitgestellt.

http://www.myspace.com/bjoernpeng

http://www.myspace.com/granatemoeller

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September 21st, 2010 at 10:59 am

Schwarz. Rot. Gold …sind nicht mal alles Farben!

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Antinationalistische Veranstaltungsreihe und Demonstration in Jena

Nationale Feierlichkeiten gibt es in diesem Jahr zu Hauf: Die Fußball-WM führte zu wochenlangem Ausnahmezustand in den Städten der Republik, jedenfalls bis zum Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Die Nation, in der alle Papst, Lena oder überhaupt Deutschland sind, feiert sich regelmäßig zum 3. Oktober. Zum 20-jährigen Jubiläum des „Tages der deutschen Einheit“ wird der Wiedererrichtung der gesamtdeutschen Nation gedacht. Das auf der Basis einer Blutsgemeinschaft konstruierte „deutsche Volk“ ist endlich wieder in einem einzigen Staat zu Hause – Einigkeit, Recht und Freiheit – zumindest für die Menschen, die das Wort „deutsch“ in ihrem Ausweis stehen haben.
Die Reihenfolge ist auch dabei nicht zufällig: Freiheit, auf der ein emanzipatorisches Leben aufbaut, steht hier an letzter Stelle, zuvor kommt das Recht und über Allem steht die Einheit als Selbstzweck. Seine historische Entsprechung fand dieser Zweck in der „Wiedervereinigung“ 1990.

Die Fußballherrennationalmannschaft wird als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration gefeiert1, Demokrat_innen blockieren Naziveranstaltungen und der Bundeskanzler ist eine Frau. Dass diese Gesellschaft das Gegenteil von Emanzipation ist, zeigt sich nicht
an Hitlergrüßen und der „Deutschland über alles“ Hymne2, sondern beim täglichen Blick aus dem Fenster. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und sozialdarwinistisches Denken sind der nationale Normalzustand3.
Die kapitalistische Gesellschaft reproduziert sich und diese unerträglichen Zustände jeden Tag aufs Neue – Entkommen ausgeschlossen. Leistungsprinzip und Profitstreben werden sozialisiert, dabei gaukelt Demokratie Mit- und Selbstbestimmung vor. „Linke“ Parteien und Gewerkschaften sind ein Teil dieser Illusion.

Diese Nation also feiert sich selbst und Jena feiert mit, denn schließlich haben die Farben des Jenaer reaktionären Männerbundes, der Urburschenschaft Arminia auf dem Burgkeller, ihren Wiederhall in der deutschen Nationalfahne gefunden4. Passend zum deutschen Nationalfeiertag soll am 3. Oktober eine Ausstellung mit dem Originalfetzen „als ein besonders spannendes Stück deutscher Erinnerungskultur“5 eröffnet werden. Ganz vorne dabei ist in der Diskussion um die Wiege der Nationalfahne die Initiative „Jenaer Symposium“, die aus diesem Grund ein Nationalmuseum in Jena fordert6.
Die „deutschen Farben“ stehen jedoch keinesfalls für ein fröhliches, weltoffenes und friedliches Deutschland7, sondern sind Symbol für Abgrenzungsmechanismen und Gewalt nach Außen sowie Diskriminierung und Repression nach Innen, Symbol für einen Nationalstaat im Kapitalismus. Deutscher Nationalstolz wird von den Opfern des Nationalsozialismus, Ihren Kindern und allen, für die das deutsche Wesen8 nur die Freiheit der Anderen ist, immer als Gefahr verstanden werden. Eine Tatsache der sich keine noch so optimistische und euphorische Gesellschaft von Gutmenschen verschließen darf. Deutschland kann nicht ohne Auschwitz gedacht werden.

Die Öffentlichkeit und Medienwelt sieht jedoch anders aus: Nationale Identität wird positiv aufgeladen, sodass der angeblich geläuterte deutsche Staat und seine Bürger_innen wieder stolz sein dürfen. 60 Jahre nach dem Nationalsozialismus sei schließlich ein Schlussstrich zu ziehen. Dieser bedeutet für viele nicht einmal nur das Abschließen mit dem Nationalsozialismus, sondern im Gegenteil: Deutschland wird als Erinnerungsweltmeister dargestellt: man habe die Vergangenheit hervorragend aufgearbeitet und die Bundeswehr zöge nicht trotz, sondern wegen Auschwitz in Kriegseinsätze.9

Angesichts dieser Zustände ist es dringend notwendig die Waffe der Kritik zu schärfen. Daher veranstalten wir im Herbst 2010 unter dem Titel „Schwarz. Rot. Gold. …sind nicht mal alles Farben“ eine Veranstaltungsreihe zu verschiedenen Aspekten des Nationalismus. Den Höhepunkt der Kampagne bildet die kritische Demonstration am 3. Oktober. Themen der Veranstaltungsreihe werden sein:

  • Nationalismus und Kapitalismus
  • Die Besonderheit des Deutschen Nationalismus und internationaler Vergleich
  • Geschichte der Burschenschaften und Nationalismus
  • die Sonderrolle Israels
  • Alle interessierten Menschen sind eingeladen, sich weiterzubilden, zu diskutieren und an der Demonstration teilzunehmen.

    Kommt nach Jena für eine kraftvolle Demonstration gegen Nationalismus, Kuschel-Patriotismus und Kapitalismus, für eine emanzipierte Gesellschaft!
    Nie wieder Deutschland!
    Nationaler Normalzustand ist nicht erträglich!

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    1. z.B. Pressemitteilung der Nachrichtenagentur dts „Angela Merkel: Nationalmannschaft ist Vorbild für Integration“ http://tinyurl.com/333w3kz [zurück]
    2. Erster Satz der ersten Strophe der Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland [zurück]
    3. Vgl. Heitmeyer, W.: Deutsche Zustände. Folge 9. Suhrkamp Verlag (2010) [zurück]
    4. Die Burschenschaft Arminia und ihre „Insignien“ http://www.burgkeller-jena.de/geschichte/insignien/ [zurück]
    5. Die Ausstellung im Stadtmuseum Jena http://tinyurl.com/32jwqam [zurück]
    6. Verein Jenaer Symposium http://www.symposium.ag/srg/?cat=59 [zurück]
    7. Kristian Philler (Symposium Schwarz-Rot-Gold“ auf Jenapolis http://tinyurl.com/3xksm6d [zurück]
    8. Aus „Deutschlands Beruf“ von Emanuel Geibels: „es mag am deutschen Wesen [..] die Welt genesen“ [zurück]
    9. Rede Joschka Fischers zum Kosowoeinsatz der Deutschen Bundeswehr http://tinyurl.com/3yscaw [zurück]
    Quelle

    Written by Inforadio Jena

    September 10th, 2010 at 9:27 am

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