Inforadio Jena

Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht mit uns!

Archive for Februar, 2011

Stellungnahme der “Association Pomme de Terre” zum geplanten Vortrag sowie zum Verbot durch den Stura

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Am Dienstag wurde auf einer Sturasitzung beschlossen, dass es dem Referat gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verboten ist, unseren Vortrag zu unterstützen. Natürlich findet der Vortrag trotzdem statt. Die neuen Räumlichkeiten werden anfang nächster Woche bekanntgegeben. Doch was bringt den Stura der FSU dazu, diesen Vortrag verbieten zu wollen. Uns liegt ein Zettel vom Stura-Vorstand vor, indem versucht wurde, zu begründen, warum Justus Wertmüller „Rassist“ sei. Doch der Wisch der uns vorliegt ist nichts weiter, als ein Copy&Paste Produkt verschiedener Wikipedia-Artikel und Auszüge aus verschiedenen Gesetzen. Von einem Universitätsorgan hätten wir mehr erwartet. Auf Grundlage dieser „Scheinbegründung“ ist nicht mal ein Diskussionfundament zu entnehmen, auf dessen Grundlage eine weiterführende Diskussion möglich wäre. In der Stura-Sitzung wurden dann noch einige „Zitate“ von Justus Wertmüller vorgelesen, von denen hier nur auf eins eingegangen werden soll. Wertmüller hat in einem Text zum Dresdener Kopftuch-Mord folgendes geschrieben: „Es ging im Dresdener Kopftuch-Mord keineswegs um eine ägyptische Pharmazeutin mit einer Vorliebe für hässliche Kleidung und noch nicht einmal um einen russlanddeutschen Mörder mit Vorlieben für eine ostzonale Regionalpartei.“ In diesem Satz gibt es laut Sturavorstandsmitglied Carola Wlodarski-Simsek zwei Wörter, die eindeutig rassistisch sein. Wir fragten uns welche Wörten es denn seien. Für die, denen auch noch nicht klar ist, was hier rassitisch sein soll, hier die Lösung: Für Carola Wlodarski-Simsek sind die Wörter „hässliche“ und „Kleidung“ rassitisch. Warum? Kein Ahnung! Frau Wlodarski-Simsek scheint hier etwas zu verwechseln. Kleidung ist, auch wenn sie auf religiöser Grundlage basiert, kein Kriterium für Rassismus.
Wir finden es bedauernswert, dass es dem Stura nicht möglich ist, eine breite Meinungsbildung zuzulassen. Anscheinend stützt sich der Stura lieber auf persönliche Empfindungen einzelner Mitglieder, die anscheinend ein persönliches Problem mit Justus Wertmüller haben, aber nicht in der Lage sind, kritische Beiträge zu leisten. Aus diesem Blickwinkel mag es dann auch nicht verwundern, wenn Medienwissenschaftlerinnen eingeladen werden, die einen leichten Hang zu Verschwörungstheorien und unterschwelligem Antisemitismus haben.
Wie wir gerade erfahren haben, gibt es zwei weitere Anekdoten des Sturas. Einerseits soll die Initiative „Stop the Bomb“, die sich gegen Geschäfte mit dem iranischen Regime und für die Opposition engagiert, rassistisch sein. Auch hier ist unsere Frage an den Stura: Bitte was?? Andererseits gab es den Versuch, einer am Freitag Abend stattgefunden Diskussion mit Exil-Iraner_innen, im letzten Moment, ebenfalls unter fadenscheinlichen Gründen, die Finanzierung zu kappen. Wir fragen uns, was der Stura erreichen will? Er stellt obskure Verdächtigungen gegen eine Initiative, die sich gegen den klerikalfaschistischen Iran engagiert, und gegen Exil-Iraner_innen auf, die er nicht begründen kann. Es scheint so, dass der Stura, oder zumindest einige Mitglieder, Solidarität mit dem herrschenden Regime im Iran üben und versuchen alle kritischen Initiativen dagegen in den Dreck zu ziehen. Für uns ist hingegen klar: Solidarität mit „Stop the Bomb“, den Exil-Iranner_innen und Israel, gegen reaktionäre und antisemitische Stimmungen im Stura und in der Gesellschaft!

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Februar 12th, 2011 at 9:17 am

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Sendung verpasst?

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Ihr habt eine Sendung verpasst? Oder seid erst kürzlich auf uns aufmerksam geworden und wollte alte Sendungen von uns hören? Kein Problem, dann schreib uns eine E-Mail an inforadio-jena [at] systemausfall.org und sagt uns welche Sendung/-en ihr nochmal hören wollt. Wir schicken sie euch dann. Aber natürlich auch weiterhin Feindsendung live hören.

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Februar 6th, 2011 at 1:15 pm

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Vortrag zu „Islamophobie“ mit Justus Wertmüller am 17.02.

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Wer: Justus Wertmüller
WANN: 17. Februar 2011 | 19:00 Uhr
WO: Carl-Zeiss-Straße 3 | Hörsaal 4
WAS: „Deutschland im Jahre 2011. Das Jahr nach den Symposien zur Gleichsetzung der sogenannten Islamophobie und des Antisemitismus. Doch was soll diese scheinbar so gefährliche Islamophobie sein, wenn sie schon mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Wir wollen uns diesem sagenumwobenen Wort Islamophobie einmal annähern, mit einem Vortrag und anschlieszender Diskussion von und mit JUSTUS WERTMÜLLER. Am 17.2 wollen wir uns also eine Begriffsbestimmung entlang maszgeblicher Ideologen, wie Tariq Ramadan, widmen. Weiterhin soll es um Religionskritik und Rassismus gehen, also wie aus einem Glaubensbekenntnis ein unveräuszerbares Gruppenmerkmal gemacht wird. Wertmüller wird sich auch mit der religiösen Festlegung der Türken durch den türkischen Staat und der religiösen Ethnifizierung „der“ Türken durch die deutsche Öffentlichkeit und Politik (Stichwort: Muslim) aber auch mit Selbstethnifizierung befassen. Dann soll es noch um die sogenannte „Islamkritik“ als agitatorisches Werkzeug der Ausländerfeinde gehen. Und als Abschluss des Abends wird sich dann noch einmal mit dem Islamverstehertum beziehungsweise dessen Verharmlosung als Haltung von Ausländerfeinden und des Multikulti-Kartells befaszt.“

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Februar 6th, 2011 at 11:44 am

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Aufruf Dresden Opferfrei

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Am 13. Februar 2011 werden sich an verschiedenen Orten in Dresden Geschichtsrevisionisten versammeln, Nazis aber auch „ehrbare Bürger“, um an die Opfer der alliierten Bombardierung zu erinnern und ihre „Trauer“ zu zelebrieren. Bürgerliches Gedenken und Nazitrauermärsche sind nicht dasselbe. Sie unterscheiden sich in ihren Motiven, in ihren Worten und Taten. Aber gleichsam verdrehen sie die Geschichte. Wir rufen dazu auf, sich am 13. Februar jedem Geschichtsrevisionismus entgegenzustellen.

Die „Trauermärsche“
Den Anfang der Nazi-Trauermärsche machte 1998 ein Grüppchen von 30-40 Nazis, die versuchten am 13. Februar zur Frauenkirche zu gelangen. Ab dem Jahr 2000 wurden von der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ (JLO) der Trauermarsch angemeldet, welcher zunächst 500 Nazis mobilisierte. Bis 2004 stiegen die Teilnehmer_innenzahlen auf über 2000.
2005, zum 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens, stieg die NPD als politischer Akteur mit ein. Mit 6500 Nazis wuchs der Trauermarsch zu einem der größten faschistischen Demonstrationen europaweit und etablierte sich endgültig als fester Termin in den Kalendern der Naziszene. Mit Ausnahme von 2007, wo an einem Wochentag „nur“ 1500 Nazis zur Teilnahme zu bewegen waren, blieb die Mobilisierungskraft der Nazis in etwa jedes Jahr konstant bestehen. 2010 konnten bis zu 5000 Nazis auf Grund von Blockaden und anderen Gegenaktivitäten sowie dem Unwillen der Polizeikräfte, den Aufmarsch rechtmäßig durchzuprügeln, nicht ihren Startpunkt am Bahnhof Dresden Neustadt verlassen. Zuvor sind jedoch mehrere tausend Nazis von der Polizei unbehelligt u.a. durch das Hechtviertel zu ihrer Auftaktkundgebung marschiert, wobei es teils zu heftigen Auseinandersetzungen mit Antifas kam.
Wer sich ernsthaft mit der Gedenkkultur und dem Dresdner Opfermythos auseinandersetzt, wird sich schnell die Frage stellen, warum erst seit 1998 faschistische Aktivitäten rund ums Gedenken am 13. Februar zu verzeichnen sind. Schließlich wurde bereits 1990 David Irving, britischer Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner, von 500 Dresdner_innen bei einer Saalveranstaltung für seine historischen Falschangaben gefeiert. Dies geschah zu einer Zeit, als er bereits enge Kontakte zu Nazikadern wie Michael Kühnen, Bela Ewald Althans und Christian Worch pflegte und in Gerhard Freys National-Zeitung regelmäßig publizierte. Eine Antwort auf diese Frage können wir nicht liefern. Diese späte Mobilisierung kam dafür jedoch um so kräftiger in Fahrt. Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: zum einen etablierte sich im gleichen Zeitraum in Sachsen die NPD als konstante, gut organisierte, politische und parlamentarische Kraft, was ein offensiveres Auftreten faschistischen Gedankenguts in der Bevölkerung Sachsens beförderte, zum anderen ist es der Opferdiskurs Dresdens. Jener „Mythos Dresden“, der sich im Wesentlichen aus der Goebbelspropaganda speiste, die kurz nach der Bombardierung Dresdens die Stadt zum Fanal stilisierte, prägt bis heute entscheidend die historische Wahrnehmung. Jenes propagandistische Fanal rief in den letzten Jahren die Dresdner Zivilgesellschaft und die Nazis gleichermaßen auf den Plan, wenn auch mit unterschiedlichen Beweggründen und politischen Schlussfolgerungen.

Das „Gedenken“
Die Überschneidung zwischen dem „bürgerlichen“ Gedenken und dem Trauermarsch der Nazis ist das Opfersein. Während die Nazis unverhohlen Opfer- und Täterschaft verdrehen, zelebriert die bürgerliche Öffentlichkeit ihre Selbstwahrnehmung, im Nationalsozialismus Opfer und Täter zugleich gewesen zu sein. So steht auf dem Heidefriedhof, wo das offizielle Gedenken mit ausländischen Repräsentant_innen stattfindet, die Stele Dresdens gleichberechtigt neben Stelen für z.B. Auschwitz, Bergen-Belsen, Lidice und Warschau. Die Erinnerung an die Bombardierung wird instrumentalisiert, um das Opfer/Tätergefüge wenn nicht umzudrehen, wie es die Nazis offen tun, so doch zu verschieben. Das Dresdner Gedenken ist damit ein wichtiger Baustein im Normalisierungsdiskurs der Berliner Republik. Deutschland als „geläuterte Nation“ soll endgültig den Platz in der Staatengemeinschaft erhalten, der ihm zustehe. Das geläuterte nationale „Wir“ Deutschlands darf wieder Teil der kapitalistischen Weltpolizei sein, während es sich „schuldbewusst“ als Opfer der eigenen Vergangenheit abfeiert. Die kollektive Trauer in Dresden ist letztlich eine nationalistische Veranstaltung, wie oft dabei auch die Worte „Versöhnung“ und „Friede“ fallen mögen.
Was den Opferdiskurs trotz Eingeständnis deutscher Kriegsschuld und deutscher Kriegsverbrechen in seinem Kern ausmacht, ist die Überhöhung des Leids der Dresdner Bevölkerung stellvertretend für Deutschland. Vor dem „Bombenangriff der Superlative“ scheint im Moment der Trauerveranstaltungen alles andere zurückzutreten und das „Deutsche Opfer“ steht gereinigt für sich allein.
Die Skulptur „Trauerndes Mädchen am Tränenmeer“ auf dem Dresdner Heidefriedhof, welche zusätzlich an die Opfer der Bombardierung am 13.-14.02.1945 erinnern soll, drückt dies treffend aus: Das unschuldige Mädchen (die unschuldige Stadt) wäscht legitimiert durch ihre Unschuld mit einem Meer von Tränen Deutschland rein. Die Skulptur steht schlichtweg vor einem Waschtrog!
Dienste leistet diesem geläuterten Dresden auch die momentan allgegenwärtige Extremismustheorie. So stehen dem Bild der geläuterten und gereinigten Nation die Nazis mit ihrem Beharren auf der reinen Opferrolle Deutschlands im 2.Weltkrieg im Wege. Als ebenfalls störend wird da auch die Intervention antifaschistischer Gruppen empfunden, insbesondere wenn sie den Pfad der friedlichen Blockadegemeinschaft verlassen und sich nicht mit passivem Widerstand gegen Nazis und bürgerlichem Gedenken begnügen. Zwischen alledem steht das „gute Deutschland“ in Form der Menschenkette, welche die arme Stadt Dresden gegen rechte und linke Krawallmacher abschirmen und ein ansehnliches Gedenken ermöglichen will. Die Stadt also dank Hufeisendenken erneut ein Opfer.
Dies ist kein Grund, das Treiben der Nazis zu ignorieren. Ihr „Trauermarsch“ in Dresden ist jedoch nicht ohne die Anknüpfungsmöglichkeiten an das kollektive Gedenken der Dresdner Öffentlichkeit zu denken. Beides gehört für antifaschistisch denkende und handelnde Menschen gleichermaßen auf die Agenda.

Was tun?
Machen wir uns nichts vor: der Widerstand gegen die Veranstaltungen der Nazis und Aktionen gegen den Nationalismus der Demokraten werden nichts zum Guten wenden. Wie auch? Wir werden an diesem Tag nicht am Alltagsrassismus, an Nationalismus und am Antisemitismus rütteln. Wir werden einer befreiten Gesellschaft damit kein Stück näher kommen.
All das wären Gründe, zu Hause zu bleiben und sich angenehmeren Verrichtungen zu widmen. Aber dem großen „Falschen“, in dem wir leben und das uns prägt, muss durch offensive Kritik Freiraum abgerungen werden, Freiraum andere Verhältnisse zu denken und danach zu handeln. In Dresden können wir zumindest einigen Widerlichkeiten deutscher Normalität aktiv begegnen.

Deswegen werden wir am 13. Februar 2011 – in offener Feindschaft zu deutscher Ideologie und kapitalistischen Normalvollzug – alles daran setzen, das Treiben der Geschichtsrevisionisten zu unterbinden. Wir werden das Trauerkollektiv auslachen und Gedenkrituale stören, wir werden versuchen, den Nazis zu schaden, wo es geht. Weil wir es können.

Licht aus! Destroy the spirit of Dresden!
Gegen jeden Geschichtsrevisionismus – kein Friede mit Deutschland

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Written by Inforadio Jena

Februar 4th, 2011 at 7:03 pm