Inforadio Jena

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Archive for September, 2011

Nächste Sendung am kommenden Freitag

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Nachdem sich Artikel der Süddeutschen Zeitung zur kommenden Gründung des Staates Palästina wie Mitteilung von Abbas Regierungssprecher lesen und allgemein viel über Israel diskutiert wird, gibt es wieder einen Beitrag zu eben diesem Thema. Leo Elser, Redakteur und Autor der Pólemos und Bahamas-Autor, hielt letztes Wochenende bei den Thementagen Antisemitismus in Freiburg einen interessanten Vortrag dazu.  Am Freitag, den 16.09 wird es also den Vortrag „Darf man Israel kritisieren“ von Leo Elser ab 17h zu hören geben. Der Ankündigungstext zu dem Vortrag liest sich wie folgt:

Über Mei­nung und Ideo­lo­gie

Dass man Is­ra­el „selbst­ver­ständ­lich“ kri­ti­sie­ren dürfe, be­ken­nen selbst so­ge­nann­te pro-​is­rae­li­sche „Hard­li­ner“. Doch wie steht es ei­gent­lich um die Frage, die sie damit in vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam be­ant­wor­ten?

Ob man Is­ra­el kri­ti­sie­ren darf, lässt sich ganz leicht be­ant­wor­ten, wenn man die Frage rein wört­lich nimmt: was man darf und was nicht re­gelt üb­li­cher­wei­se ein Ge­setz. Nach § 130 StGB sind die­je­ni­gen Spiel­ar­ten der Is­rael­kri­tik ver­bo­ten, die den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und die Er­mor­dung der Juden ver­herr­li­chen. Doch so will es na­tür­lich nicht ge­meint haben, wer die Frage stellt. Doch was meint sie ei­gent­lich? Zu­meist un­ter­stellt sie ein Tabu, das es gar nicht gibt. Auf eine sinn­lo­se Frage zu ant­wor­ten ist, wie wenn einer den Stier melkt und ein An­de­rer ein Sieb dar­un­ter hält. Doch sie ist nicht ein­fach nur eine dumme und sinn­lo­se Frage – das wäre noch harm­los. Sie tritt ab­sichts­voll naiv als ju­ris­ti­sche Frage auf, ist aber kal­ku­liert po­li­tisch. Wäh­rend das Recht, hier: das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung, so scheint, als wäre es rein for­mal und sich damit die Frage da­nach, ob eine be­stimm­te Mei­nung rich­tig oder falsch ist, gar nicht stel­len kann, sind po­li­ti­sche Aus­sa­gen in­halt­lich, d.h. wahr­heits­fä­hig. Durch die ab­sichts­vol­le Ver­mi­schung die­ser Ebe­nen ver­sucht sich, wer der die Frage stellt, ob man Is­ra­el kri­ti­sie­ren dürfe, der Kri­tik zu ent­zie­hen. Der Vor­trag will zei­gen, wie sich die der­art als Ta­bu­bruch in­sze­nie­ren­de Is­rael­kri­tik als bloße Mei­nung gegen den jü­di­schen Staat er­weist, die sich selbst wie­der­um gegen Kri­tik ab­dich­tet, d.h. in letz­ter Kon­se­quenz Kri­tik am An­ti­se­mi­tis­mus ta­bui­sie­ren möch­te.

Written by Inforadio Jena

September 14th, 2011 at 4:44 pm